Das Reiss Motivation Profile® - ein zeitgemäßes Tool

Im letzten Blog ging es um die Frage, inwiefern wir Menschen unser Verhalten grundlegend verändern können. Genau um dieses Thema ging es auch in einer spannenden Diskussion zwischen dem Hirnforscher Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth und der Psychoanalytikerin Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber, die genau zu diesem Thema: „Können wir uns grundlegend verändern“ zusammen kamen unter der Moderation von Ulfried Geuter. Lesen Sie hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse.


von Irene Krötlinger

Wissen und Motorik sind veränderbar

Gerhard Roth vertritt den Standpunkt, dass Befunde aus der Neurobiologie eines zeigen würden: Das, was leicht veränderbar ist, sind Wissen und Motorik. In diesen Bereichen können wir uns durch Training enorm verbessern und dementsprechend verändern. Doch schwer bis gar nicht veränderbar seien Charakter und Temperament. Er stimmt ausdrücklich der psychologischen Annahme zu, dass Menschen damit auf die Welt kommen und ist der Ansicht, dass man sich nicht in einem Kernbereich verändern kann. Menschen, die beispielsweise als unzuverlässig gelten, blieben dies in seiner Beobachtung durchgängig mit minimalen Abweichungen.

Gefühle und Temperament beeinflussen Verhalten

Die Psychotherapeutin Marianne Leuzinger-Bohleber, die sich in ihrer Forschung mit der Wirksamkeit psychotherapeutischer Interventionen auseinandergesetzt hat, stimmt dem grundsätzlich zu und spezifiziert. Menschen können sich insofern verändern, als der Umgang mit Gefühlen und dem Temperament veränderbar sei. So würden wir dies mit dem Blick auf das Reiss Motivation Profile® ebenfalls beschrieben. Ein Mensch mit einem stark ausgeprägten Rachewert, der möglicherweise in jungen Jahren in zahlreiche Auseinandersetzungen verwickelt war, mag in späteren Lebensjahren nahezu friedvoll erscheinen, weil er für sich die Erkenntnis gewonnen hat, dass die Probleme, in die ihn sein Konfliktverhalten geführt hat, sich derart entwickelt haben, dass er selbst dies verändern möchte. Womöglich hat er sich einer Reflexion seiner Motive und seiner Gefühle unterzogen, und so gelernt, neue Wege einzuschlagen, die ihm nun helfen, den altbekannten Abgrund zu umfahren – aber Vorsicht, er verschwindet nicht.

Psychotherapie hilft bei Veränderung

Die Psychotherapeutin Marianne Leuzinger-Bohleber beschreibt das Phänomen, das uns allen bekannt vorkommen dürfte: Die schmerzliche Erfahrung, immer wieder in die gleichen Fallen zu tappen, also gleichsam schicksalhaft Verhaltensmuster zu wiederholen, und egal wie sehr wir uns anstrengen, wir kriegen es nicht hin. Psychotherapie unterstützt Menschen dabei, einen entscheidenden Schritt zur gewünschten Veränderung zu machen, nämlich das eigene Verhalten verstehbar zu machen, sodass es vielleicht leichter steuerbar ist und wir nicht jedes Mal in die gleiche Kerbe schlagen.

Gerhard Roth erklärt aus Sicht des Hirnforschers, was vermutlich während einer Therapiesitzung passiert: Im Gehirn gibt es einen Bereich, die Amygdala, die bei der Entstehung von Emotion und Angst beteiligt ist. Die unbewusst abgespeicherten Bilder und Eindrücke können ihr Unwesen treiben, wenn sie nicht zugänglich gemacht werden. Therapie kann diese Schranken öffnen, aber nur durch eine vertrauensvolle und dementsprechend intensive Beziehung zwischen Therapeutin/Therapeut und Patientin/Patient. Dadurch können unbewusste Erinnerungen behutsam erinnerbar und letztlich zugänglich gemacht werden.

Das Reiss Motivation Profile® unterstützt dabei, unsere inneren Antreiber zu erkennen und eigene Verhaltensmuster besser zu verstehen – es ein zeitgemäßes Tool, das von den Erkenntnissen der modernen Gehirnforschung bestätigt wird.